Ruf mich an, statt mir zu schreiben. Gut möglich, dass ich deine Nachricht mit einer enormen Verzögerung lese.
Ich möchte diesen Blogpost nutzen, um Freunde, Bekannte, Verwandte – aber auch andere Menschen, die das hier lesen – darüber zu informieren, dass ich auf meinem Haupthandy keine Messenger mehr installiert habe. Das bedeutet konkret: kein WhatsApp, kein Signal, keine iMessage, keine E-Mails, kein Matrix, kein Threema – nichts davon.
Warum? Man könnte jetzt eine längere Geschichte über Menschen erzählen, die sich kaum noch von ihrem Smartphone lösen können. Man könnte über Smartphone-Sucht sprechen. Das sind sicherlich auch Faktoren. Aber der eigentliche Grund liegt für mich woanders: Über diese Kommunikationskanäle prasseln ständig unterschiedlichste Eindrücke und Themen auf mich ein – oft zum falschen Zeitpunkt und ohne Bezug zu dem, womit ich mich gerade beschäftige.
Da ist zum Beispiel eine Nachricht von meinem Vater, die sich am Ende als weitergeleiteter Artikel herausstellt (nichts für ungut). Oder eine WhatsApp-Benachrichtigung, bei der schon vorher klar ist, dass sie in den meisten Fällen weder dringend noch für meine aktuelle Situation relevant ist. Wenn ich ehrlich bin, ist es sogar so, dass ich mir wünsche, dass die meisten Kurznachrichten genau das sind: Nachrichten ohne unmittelbare zeitliche Dringlichkeit.
Deshalb möchte ich alle, die meine Telefonnummer haben, um etwas bitten: Wenn ihr etwas Dringendes habt oder einen Termin abstimmen möchtet, bei dem eine Antwort nicht lange warten kann – ruft mich einfach an. Ganz egal in welcher Situation. Darüber würde ich mich wirklich freuen. Gespräche, die auf diese Weise entstehen, sind oft sehr angenehm. Und manchmal findet man gemeinsam sogar schneller oder kreativer eine Lösung für das Problem der anderen Person.
Ich selbst versuche ebenfalls, Menschen anzurufen, wenn ich ein Thema habe, das für sie relevant sein könnte. Auf diese Weise bleibt man miteinander im Kontakt und kommt über alltägliche wie auch weniger alltägliche Dinge ins Gespräch. Das gefällt mir sehr, und ich fühle mich den Menschen dadurch oft stärker verbunden.
Also: Ruft mich gerne wieder öfter an. Und wenn ihr mir das nächste Mal eine Nachricht schreibt, wundert euch nicht, wenn ich sie nicht wie gewohnt innerhalb von zwanzig Minuten lese und beantworte, sondern – je nachdem, was ich gerade mache – deutlich später.
Einen großen Vorteil hat diese Entscheidung jetzt schon: Wenn ich einen ganzen Tag mit meiner Verlobten oder meinen Kindern unterwegs bin, freue ich mich darüber, dass ich nicht ständig Nachrichten prüfen muss.
Warum erwähne ich das so ausdrücklich? Weil ich trotz allem – und damit sind wir wieder beim Thema Smartphone-Sucht – immer noch manchmal das Bedürfnis habe zu schauen, ob mir jemand geschrieben hat. Diese berühmte „Fear of Missing Out“. Vielleicht bringt es auch anderen Menschen eine gewisse Ruhe, wenn sie Messenger von ihrem Smartphone entfernen.
Ganz ohne Messenger geht es heute allerdings kaum noch. Deshalb habe ich dafür ein zweites Gerät. In unserer heutigen Welt sind diese Dienste einfach zu stark in den Alltag integriert – sei es die WhatsApp-Gruppe für Elternabende oder Klassengemeinschaften, Signal für Menschen, mit denen man nicht ständig telefoniert, oder für den Austausch von Artikeln und Sprachnachrichten. Die Messenger komplett zu löschen und über diese Kanäle gar nicht mehr erreichbar zu sein, würde schnell zu einer gewissen sozialen Isolation führen – und das möchte ich natürlich auch nicht.
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